Die lieben Kollegen können auch liebe Freunde sein. Denn die tun gut, auch im Büro!
10. Oktober 2016 von Mareike Steger

Kollegen: Ziemlich beste Freunde

„Frollegen“ nennt man jene Kollegen, die zu Freunden geworden sind. Mit ihnen macht die Arbeit gleich mehr Spaß. Doch es gibt auch kritische Momente.

Manche Kollegen mag man eben

Heutzutage gibt es kaum noch Jobs, bei denen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben nicht verwischen. „Der Begriff Work-Life-Balance, der immer suggerierte, dass in der Arbeitszeit nicht gelebt wird, sondern das ‚wahre Leben‘ erst danach beginnt, wird derzeit durch den Begriff Life-Balance abgelöst“, weiß die Wiener Arbeitspsychologin und Coachin Christine Hoffmann. „Immer mehr Menschen sehen Arbeit als einen Teil ihrer Selbstverwirklichung und ihres Lebensglücks an. Da gehört es dazu, mit Menschen zu arbeiten, die man mag, bzw. die Menschen zu mögen, mit denen man arbeitet.“

Und deshalb gibt es immer mehr „Frollegen“. Also Menschen, die Freunde und Kollegen zugleich sind.

Die Vorteile von Frollegen

Für Expertin Hoffmann ist das eine positive Entwicklung. Besonders für all jene, die den Kontakt zu alten Freunden schwer halten können, weil das Leben sie in alle Welt verstreut hat. „Freundschaften im Arbeitskontext können diese Lücke schließen. Und wir brauchen nun einmal echte Freundinnen und Freunde: Sie sind essenziell für unser Lebensglück.“ Sogar lebensverlängernd wirken sie, haben Studien ergeben.

Befreundete Kollegen lassen einen produktiver arbeiten.

Und: Man arbeitet nachweislich produktiver, wenn man mit mindestens einem guten Freund, einer guten Freundin zusammenarbeitet. Warum? Weil das motiviert und man sich gegenseitig unterstützt. „Glücklicher und zufriedener bei der Arbeit ist auch, wer mit Freundinnen oder Freunden zusammenarbeitet“, sagt Hoffmann. Zudem kann der Rückhalt von Frollegen mutiger machen und kreativer.

Die Nachteile von Frollegen

Manchmal aber bringt es Schwierigkeiten mit sich, wenn die Zimmerkollegin nicht nur weiß, dass man gute Präsentationen erstellen kann, aber schlecht im Organisieren ist – sondern auch, dass man gerade Ärger mit dem Liebsten hat. „Wenn zu viel Zeit mit privaten Plaudereien verbracht wird, entsteht manchmal – gerade bei Unzufriedenheit im Beruf – ein kollektives Raunzen“, sagt Coachin Hoffmann. „Dadurch, dass alle negativen Joberfahrungen geteilt werden, entsteht eine gemeinsame negative Brille, die keinem nutzt. Das Team zieht sich gegenseitig tiefer in die Problemtrance hinein.“

Mindestens ebenso herausfordernd ist es, wenn aus der lieben Frollegin plötzlich die Vorgesetzte wird. Das empfinden oft beide Seiten als unangenehm, weiß die Expertin: „Wie soll etwa die gute Freundin für schlechte Arbeit kritisiert werden, ohne dass die Freundschaft darunter leidet, ist eine häufige Frage in meinen Coachings“, sagt sie. Eine berechtigte Frage, denn hält sich die Frollegin mit sachlichen oder fachlichen Einwänden zurück, weil sie die Harmonie aufrechterhalten will, kann die Produktivität bzw. das Arbeitsergebnis darunter leiden.

Hoffmanns Tipp: Sich fragen, aus welcher Rolle heraus man handelt. Bin ich jetzt Freund oder Führungskraft? „Dies kann auch in der Kommunikation klar benannt werden, etwa ‚Als Freund stehe ich immer hinter dir. Jetzt agiere ich als Führungskraft, und aus dieser Rolle heraus sage ich dir, dass du den Projektbericht noch mal überarbeiten musst.‘“

Grundsätzlich aber sieht die Expertin Freundschaften in der Arbeit vor allem positiv, als Geschenk. „Sollten Herausforderungen daraus entstehen, ist dies eine wunderbare Chance, als Persönlichkeit zu wachsen.“

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