23. Juni 2022 von Claudia Rejlek

Endometriose

Warum starke Regelschmerzen nicht normal sind

Viele Frauen leiden jeden Monat an starken Unterleibsschmerzen – und das meist still. Was oft dahintersteckt, ist eine gynäkologische Erkrankung: Endometriose. Bis es zu einer Diagnose kommt, vergehen meist viele Jahre. Obwohl so viele Frauen daran leiden, ist die Krankheit kaum bekannt. Es gibt vergleichsweise wenig Forschung und selbst Betroffene haben zum Teil noch nie davon gehört.

Faktencheck

Zwischen sieben und 15 Prozent aller Mädchen und Frauen im geschlechtsreifen Alter haben Endometriose. Die Dunkelziffer ist weit höher. Und dennoch ist die chronisch verlaufende Krankheit in der Medizin immer noch ein großes Rätsel, weil viel zu wenig erforscht. Nicht selten dauert es Jahre, bis die mitunter heftigen Schmerzen ernst genommen werden und die Krankheit als solche überhaupt erkannt wird. Außerdem wird alles, was mit „Frauen und Unterleib“ zu tun hat, schnell einmal in ein „wehleidiges Eck“ gestellt und ist somit tabu.

Was ist Endometriose?

Der Name kommt von Endometrium, das ist die lateinische Bezeichnung für Gebärmutterschleimhaut. Bei Endometriose befinden sich Gebärmutterschleimhaut-Zellen, die normalerweise nur in der Gebärmutterhöhle vorkommen, auch außerhalb im Bauchraum. Konkret handelt es sich um gutartige, meist jedoch schmerzhafte Wucherungen, die eben an Stellen des Körpers auftreten, wo sie nicht hingehören. Dort können sie sich entzünden und besonders während der Menstruation starke Schmerzen verursachen. Meistens siedeln sich diese Endometriose-Herde im Unterbauch bzw. im Beckenraum an, also an Eierstöcken, Eileitern, Blase, Harnleitern, Darm oder Bauchfell. Wie Endometriose entsteht, ist bis heute übrigens nicht vollständig erforscht.

Welche typischen Symptome?

So verschieden die Orte sind, an denen sich diese Wucherungen ansiedeln können, so unterschiedlich können auch Erkrankungen und Symptome sein. Starke Regelschmerzen gelten meist als Leitsymptom. Nicht selten treten krampfartige Beschwerden sowie chronische Bauch- und Rückenschmerzen auf, wodurch Betroffene unter Umständen mehrere Tage lang nicht das Bett verlassen können. Schmerzen können auch beim Stuhlgang, Harnlassen oder beim Sex auftreten. Weitere mögliche Symptome: Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Erschöpfung, Übelkeit sowie psychische Erkrankungen.

Was kann man tun?

Um eine Endometriose zuverlässig zu diagnostizieren, ist eine Bauchspiegelung nötig. Bei so einer Operation werden Endometriose-Herde entfernt. Vor einem operativen Eingriff kann auch eine Schmerz- oder Hormontherapie versucht werden. Im Zuge Letzterer wird oftmals die Pille verschrieben – für Frauen mit Kinderwunsch allerdings natürlich keine Option. Alternativ kommt auch ein künstliches Herbeiführen der Wechseljahre in Betracht, um die Beschwerden zu bekämpfen.

Buchtipp

Die Autorin und Mentorin für ganzheitliche Gesundheits- und Bewusstseinsbildung Rita Hofmeister – im Übrigen auch selbst Endometriose-Betroffeneermutigt in ihrem Buch Menschen dazu, die Krankheit als einen Weg hin zur Veränderung in ein erfülltes Leben zu begreifen. Dazu liefert sie viele praktische Tipps – von Yoga über Griffe aus dem Impulsströmen bis hin zu einer bewussteren Ernährung.

Rita Hofmeister: Endometriose – ein Selbsthilfebuch. 
Facultas/Maudrich, 19,90 Euro

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