5. Oktober 2018 von Monika Kaesser

Erschreckend

Was Frauen tagtäglich machen, um sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen

Dass Frauen sich deutlich mehr vor sexuellen Übergriffen schützen müssen als Männer, ist kein Geheimnis. Der Sozialforscher und Pädagoge Jackson Katz bestätigt diese traurige Wahrheit in einem seiner Bücher.

Sexuelle Belästigung

Mehrere Hashtag-Kampagnen wie beispielsweise #metoo oder #aufschrei sowie Erfahrungsberichte von Frauen brachten den Diskurs über sexuelle Belästigungen und Übergriffe im Alltag von Frauen so richtig ins Rollen. Mittlerweile wurde der Hashtag #metoo millionenfach verwendet. Natürlich werden auch Stimmen laut (leider auch von Frauen), dass der Hashtag mittlerweile schon nerven würde und sich Frauen mal nicht so anstellen sollen. Solche Meinungen sind äußerst verletzend und respektos gegenüber Betroffenen.

 

Jackson Katz ist amerikanischer Sozialforscher, Pädagoge, Filmemacher und Autor. In seinem Buch „The Macho Paradox: Why Some Men Hurt Women and How All Men Can Help“ beschreibt er, was Frauen und Männer tagtäglich tun, um sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Er stellte diese Frage einer Gruppe von Männern sowie einer Gruppe von Frauen und das Ergebnis der Studie mit Hunderten Teilnehmern und Teilnehmerinnen war wenig überraschend.

„Nichts. Ich denke gar nicht darüber nach.“

Katz beschreibt in seinem Buch, dass er auf der einen Seite einer Tafel das Männlichkeitssymbol und auf der anderen Seite das Gender-Symbol für Frauen aufmalte. Dann befragte er zuerst die Gruppe von Männern im Saal, welche Maßnahmen sie ergreifen würden, um sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Zunächst herrschte Stille im Saal, dicht gefolgt von nervösem Gelächter, so als wäre es eine Scherzfrage. Ein junger Mann hob seine Hand und antwortete mit „Ich schaue, dass ich nicht ins Gefängnis gesteckt werde“. Es folgte wieder Gelächter. Ein anderer Mann hob seine Hand und meinte „Nichts. Ich denke gar nicht darüber nach“.

 

Im Anschluss stellte der Sozialforscher den Frauen dieselbe Frage: „Was unternehmt ihr täglich, um euch vor sexuellen Übergriffen zu schützen?“ Zahlreiche Frauen erhoben rasch ihre Hand. Während die Männer in Stille verharrten, zählten die Frauen zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen auf, die sie in ihren Alltag integriert haben.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Meinen Schlüssel als potenzielle Waffe in der Hand halten.
  • Auf dem Rücksitz meines Autos nachsehen, ob sich dort jemand versteckt hat, bevor ich einsteige.
  • Immer das Handy in der Hand halten.
  • Nicht mehr joggen gehen, sobald es finster wird.
  • Immer bei geschlossenen Fenstern schlafen, auch im Hochsommer.
  • Den Drink im Club nie unbeaufsichtigt lassen.
  • Pfefferspray in der Tasche haben.
  • Keine Parkgaragen benutzen.
  • Nur bei gut beleuchteten Plätzen parken.
  • Nicht mit einem fremden Mann in den Aufzug steigen.
  • Nicht mit einer Gruppe von fremden Männern in den Aufzug steigen.
  • Keine Kopfhörer während des Joggens tragen.
  • Öfters einen anderen Heimweg wählen.
  • Nicht an Rastplätzen auf Autobahnen halten.
  • Genau darauf achten, was ich anziehe.
  • Nur in der Gruppe ausgehen.
  • Männer beim ersten Date an einem öffentlichen Platz treffen.
  • Augenkontakt mit Männern auf der Straße vermeiden.

 

Bestimmt kann sich nahezu jede Frau in vielen oder im ein oder anderen der oben genannten Beispiele wiederfinden. Leider haben sich solche Maßnahmen bei Frauen im Alltag bereits eingeschlichen, ohne dass es ihnen andauernd bewusst ist. Ein Selbstverteidigungskurs könnte eine Möglichkeit sein, damit man sich als Frau sicherer fühlt. Wichtig ist es auf jeden Fall, sich davon im Alltag nicht zu sehr einschränken zu lassen, wobei das leichter gesagt ist als getan. Vor allem, wenn man selbst bereits Opfer sexueller Belästigung oder eines sexuellen Übergriffes wurde.

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