Evelyn Steinberger-Kern Dr. Christian Kern Karrriere
17. Mai 2016 von maxima Redaktion

Die Zukunft hat bereits begonnen: Dr. Evelyn Steinberger-Kern im Gespräch

Innovative Geschäftsmodelle braucht das Land. The Blue Minds Company ist eines jener Unternehmen, die neue Ideen rund um das Thema Energiewende unterstützen und begleiten. Darüber wollten wir von Gründerin und Geschäftsführerin Dr. Eveline Steinberger-Kern mehr wissen.

Begriffe wie Transformation des Energiesystems, dezentrale Energieversorgung und Prosumer sorgen bei vielen Menschen für fragende Gesichter. Für Eveline Steinberger-Kern, die mit dem neuen österreichischen Bundeskanzlers Christian Kern verheiratet ist, zählen sie zum Berufsalltag. Während des Gesprächs über ihr zukunftsweisendes Unternehmen gab es entsprechend viele Aha-Momente.

Evelyn Steinberger-Kern Christian Kern Karriere

1. Ihr Unternehmen setzt sich mit Energietransformation auseinander. Was bedeutet das?

Wir gründen innovative Unternehmen im Energiebereich und beteiligen uns auch an solchen. Energietransformation heißt, dass sich die Energie­branche, also Energieproduktion, -verteilung und -konsumation, innerhalb der letzten Jahre völlig verändert hat und weiter verändern wird. Als ich 1998 in diese Branche kam, gab es ein paar große, zentrale Kraftwerke, die Strom produziert haben, und ­eine Netzinfrastruktur, die diesen zum Kunden ­geliefert hat. Mit der Energiewende, eingeleitet von der Atomenergiedebatte, hat sich das verändert. Durch erneuerbare Energien funktioniert unser Energiesystem heute dezentraler: die Photovoltaik am Dach, die Wärmepumpe im Keller, Solar­thermie, kleinere Einheiten von Wasserkraftwerken. Der Umstand, dass nahezu jeder Energie nicht nur konsumieren, sondern auch produzieren kann, hat den Begriff Prosumer geprägt. Dazu kommt
der digitale Trend. Wir haben es in diesem System ja auch mit sehr viel Vernetzung und vielen Daten zu tun, die bislang nicht optimal genutzt wurden.

2. Welche Herausforderungen gilt es hier zu bewältigen?

Eines der großen Probleme im Energiebereich ist, dass die Speichertechnologien noch in den Kinderschuhen stecken. Strom muss verbraucht werden, wenn er erzeugt wird. Es gibt Fortschritte im Bereich der Speicher, vor allem im Mobilitätsbereich. Der große Durchbruch steht aber noch aus.

3. Gibt es auch Beispiele zum Thema Energie­effizienz?

Ja. Es gibt einen Marktplatz für den Tausch von Energieeffizienzmaßnahmen, den wir betreiben. Das ist von der Funktionsweise wie eBay, wo jemand, der eine Maßnahme setzt, wie z. B. eine Halogenleuchte gegen eine LED-Lampe tauscht, diesen Kilowattstundenwert auf der Plattform einem Abnehmer von Maßnahmen, wie z. B. einem Energielieferanten, anbieten kann. Ein Gesetz verpflichtet seit 2015 große Endenergielieferanten zur Energieeinsparung. Wenn diese die Effizienzmaßnahmen nicht aus eigener Kraft schaffen, können sie welche zukaufen. Die Logik dahinter ist, dass in Österreich insgesamt eine Incentivierung stattfindet, die unser Bewusstsein in Richtung mehr Energieeffizienz verändert.

4. In diesem Bereich gibt es doch sicher auch junge Menschen, die viele neue Ideen haben?

Ja, wir unterstützen die Ideen von Gründern, meist junge Menschen, in einer sehr frühen Phase. Mein Partner Bernhard Raberger und ich haben lange in Managementpositionen gearbeitet, wir haben ein sehr gutes internationales Netzwerk und auch Zugang zu potenziellen Kunden. Darüber hinaus gibt es seit Dezember The Blue Minds Factory, durch die wir in der Lage sind, jungen Unternehmern für eine gewisse Zeit Räumlichkeiten für ihre Arbeit und für den Austausch mit unserem Team und Ökosystem zur Verfügung zu stellen.

5. Sie stehen für innovative, alternative Energieformen. Glauben Sie, man wird in Zukunft auf Kernenergie komplett verzichten können?

Ich bin ein Gegner von Atomenergie, weil wir den gesamten Wertschöpfungsprozess heute nicht im Griff haben. Ich gehe derzeit auch nicht davon aus, dass wir Lösungen für die atomare Endlagerung finden werden. Dazu kommt der Sicherheitsaspekt. Seit dem Reaktorunglück in Fukushima weiß man, dass selbst führende Technologienationen wie ­Japan diese Technologie nicht voll im Griff haben. Seitdem hat sich aber im Bewusstsein einiges getan. Der Begriff Energiewende wurde ja von Angela Merkel und ihrem eingeleiteten Ausstieg aus der Atom­energie in Deutschland geprägt.

6. Wie ist Ihre Prognose für die Energiewirtschaft weltweit?

Ich bin davon überzeugt, dass wir in eine Co2-freie Energiezukunft gehen und unsere Kinder das noch erleben werden. Ich glaube auch, dass digitale Ser­vices zunehmend in die Energiewelt mit einfließen werden und Branchen zusammenwachsen – Telekommunikation, die Energiebranche, die Logistik. Hier ergeben sich viele Dienstleistungen, die man übergreifend anbieten könnte.

 

7. Apropos Zukunft. Sie sind Mitgründerin des ­Innovation Club. Worum geht es hier?

Der Innovation Club ist eine Plattform, ein Netzwerk für die österreichische Wirtschaft und Indus­trie, die wir mit dynamischen Innovationszentren wie Silicon Valley oder der Tel Aviv Area vernetzen wollen. Wir pflegen den Austausch mit diesen Zentren, organisieren Reisen und hoffen, dass so der ­Innovationsgeist mehr Platz bekommt. Wir haben den Club 2015 mit Markus Wagner von i5invest und Niko Pelinka von Kobza Media gegründet.

8. Sie sind eine vielbeschäftigte Frau, bleibt da noch Zeit fürs Privatleben?

Ich habe den Luxus und das Glück, dass ich diesen Job mit meinem Privatleben gut verbinden kann, und es macht außerdem viel Spaß. Ich habe einen Beruf gefunden, der mich über meine Grenzen hinauswachsen lässt, ohne es als stressig wahrzunehmen.

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